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Die Frage, wo die meisten Deutschen in Paraguay leben, lässt sich vielleicht zahlenmäßig beantworten, nicht jedoch unter dem Aspekt des Wohlfühlfaktors. Und dennoch beschäftigt die meisten Deutschen, die ich in individuellen Calls berate, die Frage, in welcher Stadt in Paraguay sie ihr neues Leben beginnen könnten.

Können wir sicher davon ausgehen, dass die meisten Deutschen tatsächlich in den deutschen Kolonien und vor allem rund um Independencia leben, heisst dies ja noch lange nicht, dass jeder diese Region für sich als stimmig erachtet. Wir zum Beispiel würden nie in Independencia leben wollen, das mir einfach der Ort nicht gefällt. Aber das ist ja nun mal Geschmacksache.

Aber lasst uns einmal schauen, welche hauptsächlichen Möglichkeiten Deutsche für ihr Leben in Paraguay in Betracht ziehen:

Leben in Independencia

Leben in einer deutschen Kolonie. Ganz sicher sehr reizvoll vor allem für Familien mit kleineren Kindern. Finden sich hier doch viele junge Familien in einem nähren Umkreis. Auf dem Herbstfest diesen Jahres kamen (coronabedingt) ca. 250 Deutsche mit ihren unzähligen Kindern zusammen. Man hatte das Gefühl eines deutschen Volksfestes mitten im Rheinland. Dies ist sicher ein unschlagbarer Vorteil. Der deutsche Fleischer ist nicht weit, im Supermarkt gibt es deutsche Produkte und man trifft sich im deutschen Café. Vermutlich wird man aber auch immer eher unter sich bleiben und weniger Kontakt zu Paraguayern suchen. Reizvoll ist die Lage von Independencia: Anders als im restlichen eher flachen Land, darf sich das Auge an den umliegenden Hügelketten erfreuen. Das ist nach meinem Gefühl der größte Vorteil an Independencia.

Leben rund um und in Asunción

Wer Schulkinder hat, wird sich sicherlich mit der Frage auseinandersetzen, welche Schulen seine Kinder besuchen könnten. Dabei ist zu sagen, dass viele Deutsche Auswanderer relativ wenig Wert auf einen “korrekten, offiziellen” Schulabschluss ihrer Kinder legen, wenn sie nach Paraguay kommen. Oft sind sie genau wegen des klassischen Schulsystems gegangen und ihre Kinder sind nun Freilerner. Sollte man dennoch viel Wert auf eine “ordentliche Schulbildung” legen und sein Kind nicht in die öffentliche Schule vor Ort schicken wollen (wozu ich jedoch schon allein wegen der Sozialkontakte ausdrücklich rate!) dann haben deutsche Familien häufig die Goetheschule (Colegio Goethe) in Asunción im Blick oder die Amerikanische Schule, auf welcher der Unterricht auf englisch erfolgt. Ob man deshalb in Asunción leben möchte, das muss jeder für sich entscheiden und tatsächlich ziehen wenige Deutsche für ein paar Jahre wegen der Schulbildung ihrer Kinder nach Asunción. Jeden Tag, z.B. aus Caacupé oder San Bernadino in die Hauptstadt zu fahren, halte ich für ein irrsinniges Unterfangen, betrachtet man den Stau, der sich täglich in die Stadt quält. Ob man im südamerikanischen Moloch leben möchte, das bleibt die Frage. Ohne Kinder und den Grund der Schulwahl ist es, so denke ich, keine Option in Asunción zu leben.

Leben in Caacupé

Okay, ich bin ein wenig voreingenommen. Doch Caacupé bzw. die Gegend um Caacupé (Piribebuy, Ypacarai, Tobati) ist für mich ganz perfekt. Man ist in max. 90 Minuten in Asunción um mal einen netten Abend in Bars und chicen Restaurants zu verbringen, nach San Bernadino ist es nicht weit und doch weit genug um zum Klatsch und Tratsch zu gehören und dem Auge bietet sich mehr, als nur Platts Land. Es gibt “Albert”, bei dem man sich auf ein Radler trifft und der immer alles besorgt, was das deutsche Herz begehrt und einige ganz halbwegs nette Cafés im Umkreis. Bei uns im Ytu – was schön dörflich und ca. 10 Minuten von Caacupé entfernt ist – leben auf fast jedem 20. Grundstück Europäer und doch wohnt man in einer typisch paraguayischen Nachbarschaft. Da Caacupé ein berühmter Pilgerort ist, hat er eine ziemlich gute Infrastruktur und ist meist angenehm belebt ohne überlaufen zu sein.

Leben in San Bernadino

Wenn wir über “schöne Orte” sprechen, dann lockt sicher San Bernadino. Fährt man durch San Bernadino so meint man, man hätte kurzzeitig das Land verlassen. Plötzlich sieht man moderne Bushaltestellen am Wegesrand und hübsch angelegte Bürgersteige. Auch viele schöne Villen säumen den Weg. Samstags schlendert man über den Markt in San Bernadino und am Sonntag trifft man sich im “Oktoberfest” auf einen Leberkäse und Spätzle. Auch hier findet man sicherlich sehr schnell Anschluss. Manchmal mehr Anschluss als einem lieb ist, denn in Bezug auf Klatsch und Tratsch fühlt man sich manchmal wie in einer deutschen Reihenhaussiedlung. Außerhalb der Temporadas ist auch San Bernadino ein eher verschlafener Ort, in den Temporadas jedoch fühlt man sich fast ein wenig wie in einem Urlaubsort – mit tollem Blick auf den See. Möchte man ein Grundstück in San Bernadino kaufen, so muss man allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen.

Leben im Chaco / Deutsche Kolonie

Ursächlich findet man die deutschen Kolonien in Paraguay im Chaco. Hier, wo sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Mennoniten niederließen, weist noch vieles auf den deutschen Ursprung hin. Straßennamen und Museen zeugen davon. Ebenso findet man hier in den deutschen Kolonien in Paraguay auch “deutsche Schulen”, wobei dies NICHT bedeutet, dass der Unterricht hier auf deutsch abgehalten wird, sondern lediglich, dass “deutsch” als Unterrichtsfach gelehrt wird. Im Chaco zu leben ist sicherlich eine ganz eigene Entscheidung und vor allem für Deutsche geeignet, die sich stark in der Landwirtschaft betätigen wollen. Hier ist die Fleisch- und Milchwirtschaft von Paraguay angesiedelt. Nachteil ist ganz sicher, dass wir wirklich von Entfernungen sprechen: Weites Land und eine Tagesreise nach Asunción reizen deutsche Familien nicht unbedingt.

Wo also leben Deutsche in Paraguay? In ganz Paraguay! Und überall findet man sich. Ich würde behaupten, es gibt in ganz Paraguay keinen Flecken, wo man als einziger Europäer isoliert wohnen wird. Überall findet sich ein Deutscher, der ein Café oder ein Restaurant eröffnet hat und wo man sich trifft. Überall findet man deutsche Produkte in den großen Supermärkten und ganz sicher Anschluss. Meine Empfehlung für Auswanderer aus Deutschland: Erst einmal zur Miete an vielen verschiedenen Orten in Paraguay leben und dann erst nach mindestens einem halben Jahr entscheiden, wo man sich wirklich wohlfühlt!

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